Hoch-
begabung
Hochbegabung und unter Umständen damit einhergehende Herausforderungen
Hochbegabung im Erwachsenenalter – wenn sich das eigene Erleben plötzlich einordnet
Viele Menschen entdecken ihre Hochbegabung erst spät. Oft geschieht das nicht durch einen einzelnen Moment, sondern durch eine Reihe von Beobachtungen: das Gefühl, "anders" zu ticken, schneller zu denken, intensiver wahrzunehmen – und gleichzeitig in vielen Kontexten nicht wirklich verstanden zu werden. Es können dabei die eigenen Kinder sein, die überhaupt erst die Idee einer eigenen Hochbegabung als wesentliche Komponente des Erlebens aufbringen.
Wenn sich dieses Erleben plötzlich einordnen lässt, kann eine Mischung aus Erleichterung, Irritation und anderen Emotionen entstehen. Ein neues Verständnis öffnet sich, aber es wirft auch Fragen auf: über die eigene Geschichte, über alte Muster und über das, was man vielleicht lange über sich geglaubt hat.
In meiner Praxis begleite ich Erwachsene besonders mit Blick auf Fragen von Identität und Glaubenssätzen, die sich im Zuge dieses Prozesses weiterentwickeln können. Zielrichtend ist dabei natürlich immer die Intention der Klienten: Mit der neuen Erkenntnis über mich selbst, was möchte ich eigentlich mehr in meinem Leben? Was möchte ich hinter mir lassen? Wie möchte ich dasein?
Späte Erkenntnis – ein Blick zurück, der viel auslöst
Wer erst im Erwachsenenalter von der eigenen Hochbegabung erfährt, blickt oft auf Jahre zurück, in denen vieles nicht zusammengepasst hat. Häufig wird berichtet von:
- dem Gefühl, "zu viel" oder "zu intensiv" zu sein,
- dem Eindruck, sich ständig anpassen zu müssen,
- innerer Unruhe oder Langeweile in Situationen, die für andere selbstverständlich sind,
- dem Wunsch nach Tiefe, der im Alltag selten erfüllt wurde.
Die typischen Beobachtungen oder Fragen von hochbegabten Menschen können Anhaltspunkte sein, die eigene Intention für die therapeutische Arbeit zu finden. Am Ende ist es aber immer ein sehr individueller Prozess, bei dem es zunächst darum geht, herauszufinden, was denn eigentlich die ganz persönliche Intention für die Arbeit ist. Bei dem dann folgenden Prozess kann es unter Umständen hilfreich sein, in die Vergangenheit zu schauen. Diese Rückschau kann schmerzhaft sein – und gleichzeitig heilsam. Sie ermöglicht, die eigene Biografie neu zu betrachten und innere Muster zu verstehen, die früher einmal sehr hilfreich waren und heute eher hinderlich geworden sind.
Reizoffenheit und Hochsensibilität
Viele hochbegabte Menschen erleben eine ausgeprägte Reizoffenheit. Sie nehmen mehr wahr, schneller, differenzierter. Das kann bereichern – und überfordern.
Typische Themen sind zum Beispiel Schwierigkeiten, in lauten oder unruhigen Umgebungen zentriert zu bleiben, oder die intensive emotionale Resonanz auf Stimmungen anderer.
Manchmal ist es schwierig, diese Eigenschaften zu unterscheiden von Traumafolgen, die sich sehr ähnlich zeigen können. Im Falle von Traumafolgen gibt es die Möglichkeit von Linderung, in jedem Fall jedoch kann die Sensibilität auch eine Ressource werden: Als Basis für Kreativität, für Empathie, für Klarheit.
Weitere Informationen
Die Psychotherapeutin Frauke Niehues hat einen sehr umfassenden Schatz an Wissen zusammengetragen, anhand dessen man sich zu vielen verschiedenen Aspekten einen Überblick vom Feld "Hochbegabung" machen kann: https://www.können-macht-spass.de/de/hochbegabte-angehoerige.html.
Eine weitere spannende Anlaufstelle ist das englischsprachiges Portal https://intergifted.com/ der Psychologin Jennifer Harvey Sallin. Sallin befasst sich u.a. ausführlich mit der Fragestellung, für welche Arten von Traumatisierung besonders begabte Menschen möglicherweise anfällig sind. Unter https://intergifted.com/stages-of-adult-giftedness-discovery/ beschreibt sie zum Beispiel typische Phasen von Heilung nach Erkennung der eigenen Hochbegabung.
Paula Prober, ebenfalls Psychotherapeutin, hat in ihrem Buch "Journey Into Your Rainforest Mind" (https://rainforestmind.com/your-rainforest-mind-the-book/) einen emotionalen Überblick über die verschiedenen Facetten von Begabung, auch jenseits des IQs.
Es gibt viele weitere Quellen. Bitte sprechen Sie mich gerne an.
Photo by Boudhayan Bardhan on Unsplash